Zusammenfassung (TL;DR)

  • 1 Die Polizei-Routine: Du MUSST den Diebstahl sofort vor Ort beim Commissariato (I) oder der Policia (E) aufnehmen lassen. Das abgestempelte Diebstahlprotokoll ist dein einziger Joker!
  • 2 Die Heimreise: Mit dem offiziellen ausländischen Polizei-Protokoll darfst du auf direktem, unverzüglichem Wege nach Hause ("Transit") fahren. Kontrolliert dich die Mautpatrouille, ersetzt der Zettel temporär deinen Schein.
  • 3 Botschaftskontakt: Das Auswärtige Amt / Konsulat druckt dir keinen neuen Kfz-Schein im Ausland! Du brauchst sie aus verkehrstechnischer Sicht nicht zwingend für den Auto-Transport, wohl aber ggf. für einen Passierschein (Ausweis-Ersatz).
  • 4 Bonus in Deutschland: Legst du das italienische Diebstahl-Protokoll nebst deutscher Polizei-Umschrift am heimischen Landratsamt vor, kaufst du dir oftmals die fies teuren 30-Euro-Gebühren für die "Eidesstattliche Versicherung" bei der Neubeantragung der ZB1!

1. Der Moment der Erkenntnis

Es reicht der Bruchteil einer Sekunde: Die Autotür ist am Gardasee oder in Katalonien unverschlossen am Rastplatz geblieben, das Motorrad am Strand-Parkplatz hat eine aufgebrochene Sitzbank – und die Geldbörse samt Papieren ist unwiderruflich weg. Die Panik ist riesig. Wer darf jetzt noch den Wagen steuern, wenn er keinen gültigen Führerschein oder Fahrzeugschein (die grüne Zulassungsbescheinigung) vorweisen kann? Die Angst, 1.000 Kilometer entfernt vom Wohnort von einer Maut-Polizei aus dem Verkehr gezogen zu werden, ist unter deutschen Touristen groß.

2. Der wichtigste Weg: Das lokale Diebstahlprotokoll

Schlagen Sie den Gedanken, schnell in Panik über den Brenner zu rasen, bevor Sie kontrolliert werden, direkt aus dem Kopf. Das Fahren ohne Fahrzeugpapiere in europäischen Nachbarländern wird viel härter als Owi (Ordnungswidrigkeit) bestraft als im heimischen Deutschland.

Sie müssen unabdingbar zur nächsten Polizeistelle vor Ort aufbrechen (in Italien oft die Carabinieri oder die Polizia di Stato, in Spanien zumeist die Guardia Civil oder Policía Local). Dort erstatten Sie zwingend eine offizielle Diebstahlsanzeige (Ital: "Denuncia di smarrimento/furto").

Dieser oft handgeschriebene oder maschinell schlecht lesbare Ausdruck aus dem Präsidium wird zu Ihrem wichtigsten Reisedokument. Der Stempel des ausländischen Beamten bescheinigt juristisch, dass Sie ein Diebstahlopfer sind. Er gilt in Europa im Zweifelsfall als formales polizeiliches Ersatzdokument für Ihre Fahrzeugpapiere auf der direkten Heimreise.

3. Muss man zur Deutschen Botschaft rufen?

Viele Urlauber versuchen instinktiv, ihr in der Hauptstadt liegendes Deutsches General-Konsulat telefonisch zu beschwören, damit dieses ihnen neue grüne Papiere in den Süden faxt. Das passiert nicht. Die Deutsche Vertretung ist administrativ völlig machtlos, was das Ausstellen von KFZ-Papieren (Verkehrsbehörde) angeht.

Das Konsulat rettet Sie nur, wenn Sie ebenfalls Ihren Personalausweis und Reisepass verloren haben! Dann erstellt Ihnen der Notdienst einen sogenannten "Reiseausweis zur Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland". Diesen weißen Passierschein benötigen Sie für Grenz-Polizeikontrollen, bei Flügen oder für Hotel-Buchungen unterwegs.

Expertentipp von Ronny Rostig: "Fotografieren Sie Führerschein und beide (!) Seiten der Zulassungsbescheinigung Teil 1 vor jedem Urlaub in bester Auflösung auf das Telefon und legen Sie sich diese Scans zudem in eine eigene Dropbox / Email-Entwurf. Haben Sie bei einer Carabinieri-Kontrolle ohne Originale lediglich das italienische Verlust-Protokoll, hilft ein brillanter Farbscan des Führerscheins auf dem Handgelenk, den Kontrolleur gütlich zu stimmen und die Ermittlungsarbeit in amtlichen Datenbanken auf spanischen Servern massiv zu beschleunigen."